Zukunftsfähig bleiben

15.01.2021 Juliane Schälicke

Interview mit Experten zur Betriebsstrategie der Zukunft

Die „Betriebsstrategie der Zukunft“, kurz BdZ, gibt Sparkassen strategische Leitlinien an die Hand, damit sie ihren Betrieb sicher für die Zukunft aufstellen können. Kein neues Thema, allerdings aktuell wie eh und je. Wie weit Sparkassen bereits in der Umsetzung sind und wie die Strategie zur Umsetzung kommt, verraten Rainer Remke und Steffen Robus, beide Geschäftsführer der S-Servicepartner Consulting GmbH, im Interview.

Bevor wir hier ins Detail einsteigen, Herr Remke, können Sie uns noch einmal kurz abholen, was der Kern von BdZ ist und warum sich Sparkassen damit beschäftigen sollten?

Foto_Rainer_Remke

Remke: Sparkassen zeichnet aus, dass sie aufgrund ihrer Unternehmerschaft vor Ort sowohl der mittelständischen Wirtschaft als auch den Menschen in der Region sehr nah sind. Diese Verwurzelung in der Region sichert ihnen nach wie vor einen großen Marktanteil und langjährige Kundenbeziehungen. Die Struktur des Sparkassenwesens bringt es aber mit sich, dass die Betriebsgrößen der Institute nicht ausreichen, um hohe Skaleneffizienzen zu erreichen.

Darüber hinaus entscheidet jedes eigenständige Unternehmen, also jede Sparkasse, in gewissen Grenzen für sich, ob Standardprozesse und -verfahren eingesetzt oder modifiziert werden. Die Dezentralität bringt also Vorteile wie Nachteile. BdZ ist angetreten, diese Nachteile zu reduzieren.

Die Standardisierung und eine darauf aufbauende Automatisierung können signifikant die Aufwandsseite reduzieren. Ergänzt um Arbeitsteiligkeit zur Erzielung echter Skaleneffekte sind dies die sinnvollen Inhalte von BdZ.

Das ist ein ganz schönes Brett. Vielleicht haben Sie ja einen Überblick über die Sparkassenlandschaft: Wo stehen die Sparkassen aktuell und wie weit sind sie in der Umsetzung?

Robus: Tatsächlich ist das Bild sehr heterogen, die Sparkassen sind unterschiedlich weit fortgeschritten. Auch die Regionalverbände gehen die Projektumsetzung unterschiedlich an. Einige Sparkassen sind schon sehr weit in der Umsetzung, andere haben sich bisher erst wenig mit dem Thema beschäftigt.

Wie bekommt man die Strategie in die Praxis umgesetzt?

Foto_Steffen_Robus

Robus: Man muss sich mit dem Thema auseinandersetzen und für sein Haus prüfen, welche Maßnahmen die geeigneten sind, um die Kosten zu senken und in ein wirtschaftliches Verhältnis zu den Erträgen zu stellen. Auch bei der Kosten-Erlös-Sicht gibt es ja durchaus Veränderungen. Dabei hilft es, sich Experten mit an den Tisch zu holen. Denn wir wissen, dass auch die Organisationsbereiche in Sparkassen momentan mit einer Vielzahl von Themen belastet sind – das wird auch sicherlich weiterhin so bleiben. Daher ist eine temporäre Unterstützung mit Fach-Know-how auch wirtschaftlich sinnvoll.

Remke: Man muss dazu sagen, dass BdZ dem Thema Kostenoptimierung im Betrieb vor allem eine Struktur und Ordnung gegeben hat. Viele Maßnahmen wurden von der Sparkasse vielleicht schon umgesetzt, aber nicht als BdZ-Maßnahme wahrgenommen, z. B. die Einführung des PenPads. Man muss also zunächst schauen, wo man genau steht und dann ein Ziel definieren, z. B. die Höhe der Marktfolge-Kosten in den nächsten 3-5 Jahren.

Und was genau umfasst die BdZ-Beratung? Inwiefern profitieren Sparkassen konkret von dem Angebot?

Robus: Auf Wunsch ermitteln unsere Experten im Consulting-Team gemeinsam mit der Sparkasse das individuelle Ambitionsniveau auf Basis des BdZ-Radars und QBMs. Dabei schauen wir gemeinsam, wo die Sparkasse derzeit steht und erarbeiten ein individuelles Zielbild und einen konkreten Umsetzungsplan. Dabei werden die Maßnahmen mit dem größten strategischen und betriebswirtschaftlichen Nutzen identifiziert und verfolgt. Natürlich begleiten wir dann auch bei der Umsetzung. Dazu gehören dann auch die Prozessstandardisierung und eine BdZ-Auslagerungsstrategie.

Remke: So erhält die Sparkasse in allen Themenbereichen eine Beratung – unabhängig und neutral. Unsere Experten stimmen die Ziele und die Vorgehensweise mit der Sparkasse ab und können mit bewährten Werkzeugen und Methoden objektiv Empfehlungen ableiten.

Welches sind die größten Herausforderungen?

Robus: Herausfordernd ist es, einen sinnvollen Umsetzungsplan zu erstellen, der zur Sparkasse und ihrer individuellen Entwicklung passt. Diese können durchaus heterogen sein, ein kleines Institut setzt sich sicher andere Schwerpunkte als eine große Sparkasse. Wichtig sind dabei ein guter Know-how-Transfer und praxiserprobte Ansätze. Die bringen unsere Kollegen mit und können in der Beratung ihre breiten Erfahrungen an die Sparkasse weitergeben. Der erste Schritt ist häufig der größte: Man muss die notwendige Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und Ressourcen bereitstellen – daran kommt man nicht vorbei – BdZ erledigt sich nicht von selbst. Der Einsatz lohnt sich aber sehr – um mit geeigneten Maßnahmen den Betrieb zukunftssicher aufzustellen.

Vielen Dank für die offenen Worte!

Das Interview führte Juliane Schälicke, Unternehmenskommmunikation.